Festtag zum 25jährigen Jubiläum des Chores.
Ist Petrus ein Sangesfreund? Nach dem Wetter am 20.09.2008 zu urteilen schon. Denn dieser Tag war ein milder
Spätsommertag mit strahlendem Sonnenschein! Für die Werdener Sangesfreunde und ihren Gästen begann
dieser Festtag in der ev. Kirche Essen - Werden mit einem ökomenischen Gottesdienst. Gehalten wurde dieser
von Superintendent Irmenfried Mundt und Propst Johannes Kronenberg.
Nach dem Gottesdienst begab sich die Festgesellschaft in die Aula der Folkwang - Hochschule, wo
noch ein volles Programm auf sie wartete.
Hier ein kleiner Auszug aus dem Festakt, mit einem Rückblick auf 25 Jahre "Werdener Sangesfreunde".
Begrüßung durch den Vorsitzenden Manfred Vogt.

Aufnahme: Gereon Buchholz
Den Festvortrag hielt Monsignore Dr. Heinrich Engel.

Aufnahme: Gereon Buchholz
Hier folgt der Text des Festvortrages von Monsignore Dr.Heinrich Engel:
"Musik"
Bei einer Priesterweihe pflegt der Bischof den Weihekandidaten zuzurufen:
" Agnoscite, quod agitis!"( Erkennt, was ihr tut! ) Dieses Wort liebe Sangesfreunde, gilt auch uns. "Warum?" werden Sie mich
fragen. Wir wissen doch, was wir tun. Wir haben uns zu einer Chorgemeinschaft zusammengefunden und singen nun schon so manches
Jahr. Wir verstehen uns als Träger einer großen und reichen Musiktradition. Wir pflegen geistlichen und weltlichen Chorgesang.
Wir singen Chorwerke von Bach, Beethoven, Mozart, Schubert, Händel, Bruckner und Wagner um nur einige zu nennen. Wir stehen
im Dienst der großen abendländischen Musiktradition. Und damit dienen wir auch unseren Mitmenschen, die wir durch unseren
Gesang erfreuen und begeistern. Somit ist die Liebe zur Musik und Gesang auch eine Form der Nächstenliebe.
Es gibt aber auch noch einen weiteren Grund zu bedenken, was wir tun. Was eigentlich ist Musik? Woher kommt
sie und wohin führt sie den Menschen? Eine erste Antwort lautet: Musik ist etwas, was der Mensch macht. Er komponiert, textet,
setzt in Noten um, was er innerlich empfindet. Im Gesang nutzt er seine Stimme. Er baut Musikinstrumente, um auf ihnen zu
spielen und gewinnt somit eine Fülle von Möglichkeiten das auszudrücken, was sein Herz bewegt.
Wo die Worte nicht mehr ausreichen, da führt die Musik noch ein Stück weiter. Der klassische Beweis ist der
Verliebte, der seiner Geliebten ein Ständchen bringt, weil Worte allein ihm viel zu nüchtern erscheinen. Der Kirchenlehrer
Augustinus sagt es kurz und knapp: "Wer liebt, der singt!"
Dennoch ist die Musik weit mehr als ein menschliches Produkt. Sie alle kennen den Kanon: "Himmel und Erde
müssen vergeh'n, aber die Musica bleibet bestehn!" Oder den anderen Kanon: "Wer sich die Musik erkiest, hat ein himmlich
Gut gewonnen." Oder denken Sie an jenes Chorstück, welches beginnt: "Musik, du himmliches Gebilde!" Die großen Kirchenväter
aus den ersten Jahrhunderten des Christentums haben gesagt: "Musik ist die Sprache des Himmels." Musik besitzt ja auch die
Merkmale des Himmels, denn sie ist unendlich und ewig. Sie kennt keine Grenzen, sie ist unausschöpfbar. Kein Mensch, noch
nicht einmal alle Menschen zusammen können je die Musik ausloten und ihre Grenzen bestimmen. Auch die Liturgie der Kirche
weist uns auf den himmlichen Ursprung der Musik hin, wenn sie uns auffordert zum dreimaligen "Heilig", dem Gesang der Engel,
womit das Lob Gottes, dem Herrn aller Mächte und Gewalten gesungen wird. Darum besitzt Musik die Macht, uns Menschen zu
verwandeln. Sie vermittelt Entspannung, rührt zu Tränen, versetzt in Begeisterung, läßt Zeit und Raum vergessen.
Musik ist aber nicht nur die Sprache des Himmels, sondern auch ein Gleichnis des menschlichen Lebens.
Milliarden von Menschen leben auf der Erde und jeder ist einmalig und unverwechselbar, individuell, angefangen von den
Fingerabdrücken bis hin zu seinem Lebensschicksal. Jedes Menschenleben gleicht einer Melodie mit ihren Höhen und Tiefen.
Nun ist nicht jede beliebige Tonreihe schon eine Melodie. Die entsteht erst, wenn die Töne sich nach einem bestimmten
musikalischen Baugesetz ordnen.
So ist es auch mit dem menschlichen Leben. Aus den unzähligen Gedanken, Worten, Taten und Ereignissen,
aus denen ein Menschenleben sich zusammensetzt, wird erst eine Melodie, wenn sie sich ausrichten nach dem göttlichen Gebot,
dem Gebot der Liebe.
Der Apostel Paulus sagt: "Wenn ich die Liebe nicht hätte, wäre ich tönendes Blech oder lärmendes Schlagzeug.
" Ohne Liebe gäbe es dann nur noch Höllenlärm.
Josef Haydn schrieb kurz vor seinem Tod an einen Freund: "Ich hab's mit meinem Leben gehalten wie mit meinen
Kompositionen. Das lob Gottes war der rote Faden, der sich durch meine Kompositionen zog.
Bringt der Mensch mit seiner Stimme die Töne nacheinander zum Klingen, so entsteht eine Melodie, auch dann,
wenn Menschen zusammen die gleichen Töne singen. Das schönste Beispiel ist der Gregorianische Choral mit seiner ungeheueren
meditativen Kraft. ER ist alles andere als ein-tönig. Er wird in unserer Zeit, wie es scheint wieder entdeckt.
Wenn aber ein Chor verschiedene Töne gleichzeitig zu Gehör bringt entsteht nicht nur die Melodie, sondern
auch die Harmonie. Auch die Harmonie gehorcht bestimmten musikalischen Gesetzen, sonst gibt es Disharmonien, die den Ohren
weh tun. Hier wird die Chormusik wieder zum Gleichnis des menschlichen Lebens.
Ob wir Menschen harmonisch oder disharmonisch miteinander leben, hängt davon ab, ob es uns gelingt, die
rechte Nähe und die rechte Distanz zu finden; ob wir imstande sind, dem Mitmenschen nahe zu sein, ohne ihm zu nahe zu treten.
Harmonie in der Musik kann man damit vergleichen, wie wir zusammen leben und zusammen wirken sollen.
Der Apostel Paulus drückt den gleichen Sachverhalt im Bild vom Leib und seinen Gliedern aus. Auch hier kann kein Organ für
sich allein existieren, alle Glieder sind aufeinander angewiesen. Verlaufen die Organfunktionen harmonisch, ist der Leib
gesund. Funktioniert nur ein Organ nicht richtig, fühlt der Mensch sich nicht wohl, kündigt sich eine Krankheit an. Die
Krankheiten im menschlichen Zusammenleben sind bekannt: Gewalt, Ungerechtigkeit, Krieg usw.. Wer aber zum Lobe Gottes singt,
wer zur Freude der Menschen singt, der ist auch aufgefordert, sich für die Harmonie in der menschlichen Gemeinschaft
einzusetzen, in der Familie, der Kirche, der Völkergemeinschaft.
Unsere Stimmen in der Chorgemeinschaft benötigen noch ein Element, damit man sie überhaupt hören kann,
das ist die Luft zum atmen. Ein Sänger muß sich immer wieder um die richtige Atemtechnik bemühen, damit er gut singen kann.
Kontrolliertes Einatmen und Ausatmen muß geübt werden. Die Luft zum Atmen aber umgibt uns und wir nehmen sie in uns auf.
Dieses Element aber ist ein Gleichnis für den Geisteshauch, der uns leben läßt und inspiriert, der uns zusammen bindet und
unsere Gemeinschaft lebendig hält. Der Frankfurter Pfarrer Lothar Zenetti hat auf tiefgrüngige Weise beschrieben, worin
die Aufgabe eines vom Geist inspirierten Chores besteht:
Singen will ich die Worte
Von denen ich lebe
Das Wort Hoffnung und das Wort Vertrauen
Das Wort Dankbarkeit und das Wort Treue
Freiheit nenne ich das Wort Mut
Auch Gerechtigkeit und das große Wort Frieden
Und was wir Glück nennen
Und das leise Wort Geduld
Und das Wort Erbarmen
Ja davon lebe ich.
Das Wort Mutter und das Wort Brot
Kind sage ich, mein Vater, mein Freund
Meer sage ich und Baum und Himmel
Wolke und siebenarmiger Leuchter
Traum sage ich und Nacht meine Schwester
Und das zärtliche Wort Du
Singen will ich die Worte
Von denen ich lebe.
* * *
Ehrung der Gründungsmitglieder durch den 2.Vorsitzenden Heinz Brümmer.

v.l.n.r.: H.Scheidgen, Kl.Schermuly, M.Vogt, H.Winking, H.Wittrock.
Ehrung der Jubilare durch Klaus Springenberg ( Vors. des Essener Sängerkreises ) .

Aufnahme: Gereon Buchholz
"Taktstockübergabe" von Werner Lortz an Andreas Kempin.

Aufnahme: Gereon Buchholz
Frau Jordan und ihre Nachfolger als Chorleiter.

Aufnahme: Horst Neitzel
Was zwischen den Zeilen steht.
Eine in der Tat beachtenswerte Chronik, die den Werdegang des Chores detailliert und eindrucksvoll
widerspiegelt. Die für uns Sänger wie für unsere vielen Freunde so erfreuliche Entwicklung die keiner
hat voraussehen können und uns mit großer Dankbarkeit erfüllt, hat ihren Nährboden wohl insbesondere
in der freundschaftlichen Verbundenheit und der daraus resultierenden Einsatzbereitschaft so vieler
Sangesfreunde. Ein Chor lebt natürlich vom gemeinsamen Singen, von Proben, Auftritten und Konzerten, aber auch von vielen persönlichen Kontakten, Begegnungen
und von menschlicher Verbundenheit und Wärme. Die "Werdener Sangesfreunde" haben sich bewusst unter diesem Aspekt
ihren Name gegeben. Nun wäre die Entwicklung des Chores mit Sicherheit nicht so außergewöhnlich und erfolgreich
verlaufen, hätten wir vor 20 Jahren nicht so einen liebenswerten, engagierten Chorleiter gefunden, der keine Mühe
gescheut hat, die Sänger in herzlicher Atmosphäre und mit großem persönlichen Einsatz zu hervorragender Leistung
zu führen. Dafür sei auch an dieser Stelle unserem lieben Werner Lortz ganz herzlich gedankt.
Darüber hinaus haben sicher auch viele begeisterte und engagierte Sangesfreunde, an welcher Stelle auch immer, durch
ihren selbstverständlichen Einsatz die Gemeinschaft unseres Chores mitgeprägt. Sie haben Zeichen gesetzt, haben
"Rituale" entwickelt und so auch viele Traditionen geschaffen, ohne die das Leben in unserer Sängerschar nicht mehr
denkbar wäre. Da sind zum Beispiel die allwöchentlichen Proben, die immer mit wichtigen Informationen und persönlichen
Anmerkungen des Vorsitzenden beginnen und zielstrebig, aber nicht verbissen, unter Werners Leitung - aufgelockert durch
so manch humorvolle Bemerkung - durchgeführt wurden. Wer Zeit und Lust hat, geht nach der Probe noch ein Bierchen trinken
und genießt die fröhliche Runde.
Ein von allen Sängern gern angenommener Termin ist das alljährlich stattfindende "Gartenfest". Von Günther Kimmeskamp
einst ins Leben gerufen und mehrfach in seinem Garten gefeiert, hat es jetzt seinen festen Platz auf den Hammer Höhen
bei Willi Unterstell, der mit großem Einsatz und fleißigen Helfern stets für einen sehr gemütlichen und ansprechenden
Rahmen sorgt. Auch unsere traditionelle Nikolausfeier, auf der Sangesfreund Leo Fonrobert in Anwesenheit der Sängerfrauen
mit geschliffenen Versen die zurückliegenden Ereignisse analysiert und kommentiert und die Sänger an ihre guten und weniger
guten Taten erinnert, sie lobt und tadelt, stellt alljährlich einen Höhepunkt im Leben des Chores dar. Da wird in der kalten
und dunklen Winterzeit die wohltuende Verbundenheit besonders deutlich - an liebevoll geschmückten Tischen, wofür unserer
Sängerfrau H.Kimmeskamp und ihrem Team herzlicher Dank und Anerkennung gebührt.
In einer solch großen Gemeinschaft gibt es in der Tat vieles zu bedenken, zu planen, zu organisieren. Da muss man einfach
immer wieder den so großartigen Einsatz unseres Geschäftsführes Hugo vom Kolke hervorheben, der sehr viel Zeit und Kraft
investiert, um die Mitgliederlisten auf den neuesten Stand zu halten, die für alle Sänger so wichtigen Terminpläne
aufzustellen, den Kettenruf zu aktualisieren, Teilnehmerlisten vorzubereiten, GEMA-Meldungen auszufüllen u.v.m..Nicht
selten haben er und der Vorsitzende vom langen Telefonieren rote Ohren - alles zum Wohl des Chores. Mit Verantwortungsbewusstsein
und großer Sorgfalt regelt der Schatzmeister Günther Schwarz seinen Tätigkeitsbereich, nehmen Notenwarte und
Stimmsprecher, der Pressewart und der Protokollführer sowie die Mitglieder des Festausschusses ihre Aufgaben wahr,
pflegt Sangesfreund Werner Henselowsky den Kontakt zu unseren Kranken und alten Chormitgliedern und investieren Heinz
Scheidgen und Siegfried Rhein viele Stunden Zeit um die hier dokumentierte Chronik zu schreiben und fortzuführen. Mein
herzlicher Dank gilt ihnen allen.
Gut, dass es die Werdener Sangesfreunde gibt! Gäbe es sie noch nicht, müssten sie spätestens morgen gegründet werden.
Ja, das ist schon eine tolle Truppe, inder man sich rundum wohlfühlen kann, was ja nicht heißt, dass immer alle einer
Meinung sind. Ja, manchmal gibt es auch freundschaftlich - harte Auseinadersetzungen, die dem festen Fundament der herzlichen
Verbundenheit jedoch keinen Abbruch tun.
Zum Glück haben wir in unsere großen Sängerschar ja auch so manchen Experten, der sein Fachwissen, seine Ideen und Fähigkeiten
in die Gemeinschaft einbringt und das Erscheinungsbild des Chores in großartiger Weise mit prägt. Hermann J. Schlieper ist so
ein Glücksfall. Das inzwischen überall bekannte "Logo", die Plakate, die Programme für die Konzerte, unser Mitgliederverzeichnis
und die wunderbare Gestaltung dieser Festschrift tragen seine Handschrift. In Zusammenarbeit mit Werner Kaes und Heinz Hüsgen
hat er so manche seiner interssanten und ansprechenden Vorstellungen verwirklicht.
Ein so großer und bekannter Chor muss sich in der heitigen Zeit ganz selbstverständlich auch moderner Medien bedienen und sich
und sein Programm im Internet attraktiv vorstellen. Dafür sorgt engagiert und kompetent unser Sangesfreund Hermann Hütte.
Damit die Werdener Sangesfreunde auch in Zukunft ihren für sich selbst wie für die vielen "Fans" so wichtigen und anerkannten
Platz in unserer Stadt und weit darüber hinaus einnehmen können, kommt es - wie seit 25Jahren - auf jeden einzelnen Sänger
an, doch ohne das besondere Engagement von pflicht- und verantwortungsbewussten Chormitgliedern in den unterschiedlichsten
Bereichen könnten die Voraussetzungen für alle musikalischen, menschlichen und organisatiorischen Anliegen unserer Gemeinschaft
nicht erfült werden. Daher noch einmal aufrichtiger Dank allen, verbunden mit der Bitte, dem Chor auch unter einer neuen Leitung
die Treue zu halten. So können wir zuversichtlich der Fortschreibung unserer Chronik entgegensehen.
Sollten Sie, lieber Leser, gerne singen und noch nicht Mitglied unserer frohen Sängerschar sein, dann kommen Sie doch einmal
in eine unserer nächsten Proben ( immer montags um 20 Uhr im Benediktsaal über der Schatzkammer ).
Auch Sie werden begeistert sein!
Dieser Beitrag von Manfred Vogt erschien in der Festschrift zum 25jährigem Jubiläum des Chores.
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